Definitionen

In der wissenschaftlich-technischen Literatur werden unterschiedliche Definitionen des Begriffs "Referenzverfahren" verwendet, die im Wesentlichen drei Hauptbedeutungen zugeordnet werden können:

  • Verfahren, dessen Ergebnisqualität bekannt und so hoch ist, dass es zur Beurteilung der Ergebnisqualität anderer Verfahren verwendet werden kann
  • Verfahren, durch das eine Mess- oder Prüfgröße definiert wird
  • Verfahren, das durch gesetzliche Regelung für eine Mess- oder Prüfaufgabe vorgeschrieben ist

In der BAM wird der Begriff "Referenzverfahren" im Sinne der zuerst angeführten Bedeutung verwendet und wie folgt definiert:

Referenzverfahren sind eingehend charakterisierte und nachweislich beherrschte Prüf-, Mess- oder Analysenverfahren. Sie werden eingesetzt für die Qualitätsbewertung anderer Verfahren für vergleichbare Aufgaben, die Charakterisierung von Referenzmaterialien einschließlich Referenzobjekten und für die Bestimmung von Referenzwerten.

Die Ergebnisunsicherheit eines Referenzverfahrens muss angemessen abgeschätzt und dem Verwendungszweck entsprechend beschaffen sein.

Der Begriff "Referenzverfahren" betrifft Prüfverfahren, Messverfahren und Analysenverfahren, d. h. alle Verfahren zur Ermittlung von Merkmalen von Materialien, Produkten oder Prozessen. Die Merkmale können quantitativer ebenso wie qualitativer Art sein, sie können verfahrensunabhängig oder durch das Verfahren definiert sein.

Anwendung

Referenzverfahren werden eingesetzt, um andere Verfahren zu validieren, um Referenzmaterialien oder Referenzobjekte zu charakterisieren sowie um Referenzwerte für Materialkenngrößen zu bestimmen. Ein anderer Anwendungsbereich sind Prüfungen, Messungen und Analysen als Grundlage für wichtige, z. B. gutachterliche Entscheidungen.

Der Begriff "Referenzverfahren" setzt voraus, dass für eine festgelegte Aufgabenstellung mehrere Verfahren oder unterschiedliche Realisierungen derselben Methodik vorhanden sind. Dann ist ein Referenzverfahren dadurch qualifiziert, dass ihm eine für einen festgelegten Zweck ausreichende Ergebnisunsicherheit beigemessen wird. Überdies muss es in seiner Funktion von den betreffenden Zielgruppen akzeptiert werden.

Bei quantitativen Ergebnissen beinhaltet die Ergebnisunsicherheit Richtigkeit und Präzision, zusammengefasst im Sinne der Messunsicherheit [1]. Bei qualitativen Ergebnissen ist die Ergebnisunsicherheit ein Schätzwert für die Wahrscheinlichkeit unrichtiger Ergebnisse. Wo anwendbar, beinhaltet die Ermittlung der Ergebnisunsicherheit die Rückführung auf das Internationale Einheitensystem (SI) oder andere anerkannte Bezugssysteme.

Für ihre vielfältige Prüftätigkeit betreibt die BAM ein umfassendes Managementsystem, das die Anforderungen der DIN EN ISO/IEC 17025 ("Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien") erfüllt. In vielen Bereichen wird diese Kompetenz durch eine Akkreditierung durch externe Stellen bestätigt und überwacht (siehe auch Kompetenzbestätigungen).

Literatur

[1] Leitfaden zur Angabe der Unsicherheit beim Messen - Deutsche Übersetzung des "Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement", Beuth Verlag GmbH, Berlin (1995)